Wie dunkel doch alles um mich herum geworden ist. Vor wenigen Jahren noch las ich Zeitung, diskutierte, philosophierte auf niedrigem Niveau über die Trivialitäten des Alltags. Heute bin ich ein Schatten, der huscht, huscht, huscht durch Gänge und Gassen. Mal heiß oder auch kalt, doch nichts weiter als ein Abbild eines Menschen, der ewig jung geblieben zu sein scheint. Was kümmert mich die Außenwelt, solange ich weiß, dass du da bist um dich um mich zu kümmern. Keine Zeitung kann mir das geben was es bedeutet, ein Blatt im Wind zu sein. Ein Sturm zieht auf, er schleudert uns davon. Keine Krise, keine Revolution und kein explodiertes Atomkraftwerk wird meine schwarze Sicht ändern, in deren Winkel alles in Finsternis mündet. "Befreie dich", sagtest du und das tat ich. Befreit von allerlei Weltlichkeit. Entfremdet von dem, was Fremd ist und zurück dahin, wo die Anfänge uns einst auf eine große Reise schickten. Ich will kein Mensch mehr sein - ich habe es satt, mich so zu nennen. Zu essen und zu trinken. Zu lieben.
Es wird Jahrhunderte überdauern was wir nun schaffen. Nihilismus erzittert vor dieser eisigen Kälte.
Ich hoffe, dass es an dem Tag an dem ich sterben muss regnen wird.
Ein Schatten ergreift mich und lässt mich nicht los, flüstert ein und berührt mich innerlich. So wird sogar eine Busfahrt lebensbedrohlich. Glücklicherweise ist es Nieselregen, der mich heute etwas aufbaut, mein Lieblingswetter. Wegen dir habe ich nur eine Stunde geschlafen.
Ein Reigen bewegt sich im Kreis um die Fackel, wirft Schatten an die kahlen Wände aus Feldstein. Was wollen sie? Der Biss schmerzt tief und die Augen leiden unter diesem Frevel sehr. Wo haben sie mich gefangen? Ich rufe sie an, doch niemand hört mich. Der Gesang der Tanzenden ist dröhnend schwer. Sie drehen sich und drehen sich und tanzen dabei und wenden und halten sich an den Händen.
Du kommst, um mich zu erretten, ganz sicher.
inner.circle - 18. Mär, 18:30
"Ich liebe dich", säuselt sie mir ins Ohr und eine tiefe, schöne Wärme umgibt mein Herz. Ich halte ihre Hände fest und kann sie nur ansehen. "Bei dir fühle ich mich so wertvoll", summe ich, "und nicht so unschön." Du bist nicht unschön. Ein Blinzeln, als wäre es die Interpunktion der Worte, trennt diesen Augenblick von jedem weiteren und hält ihn fest. "Du bist immer melancholisch", doch bevor ein "tut mir leid" die Lippen verlässt, sagte sie: "doch das mag ich."
Ich dich auch.
Eine Nacht wiegt hundert Tage auf. Ich leiste dir einen Eid und schneide mich, damit ich ihn nie vergesse.
Die ewige Nacht. Ich wandle in einer Finsternis und taste mich durch die schwarze Welt. Dann, dein Atem auf meinem Nacken. So warm. Ich starre in die Ferne. Ich weiß nun, was ich tun muss.
Blitzlichter, Maschinen durchwühlen die Stille, Schnee. Der Häuser Schatten auf der Straße. Ich bin zurück in der Welt der Menschen. Da ist so ein Gefühl in mir, es ist nicht greifbar, allerdings fiebert es auf meiner Stirn. Hunger. Durst. Durst. Es ist ein Gefühl der Sucht nach Leben.
Eiserne Straßenlaternen als stille Wächter der Nacht, doch helfen können sie dir nicht. Ich näher mich. Sind wir, wer wir sind; ich bin durstig und du am falschen Ort zur falschen Zeit.
Und leer.
Was ist schon ein Jahrhundert der Einsamkeit wert? Eine Existenz ohne Fortschritt. Dieses Aufwachen: und ein anderer zu sein, das fehlt mir am meisten.
Dafür habe ich nun dich. Erlösen wir uns gegenseitig.
inner.circle - 26. Feb, 02:14
"Wir sind eingeschneit", sagte sie in einem Ton der Überraschung. Doch so unvorhergesehen überkam es uns nicht. Sie liegt neben mir in der warmen Dunkelheit des Kellers. Ein Geruch wie Erde steigt auf und umschließt uns, in ihm wohnt eine wilde Kraft die mich berührt. Sie hält mich fester. Du hältst mich fester. Keine Gruft, nur ein Keller, sagte ich mir, keine Gruft. Nur ein Keller. Und die dumpfe Stille erdrückt unsere glühende Hitze im Schlaf.
inner.circle - 24. Feb, 18:14
Meine Augen sind geöffnet.
Ich gleite über eine Landschaft voller Nebel, aus dem die Spitzen vieler Tannen schwarz hervor blicken. Langsam zieht der Wind und der Schnee um mich herum, streift meinen Körper, weht mich umher. Durch den Nebel gelandet ist dort eine große Wiese, vom Eis bedeckt, und formt eine weite, stolze Ebene. Die Umrisse eines Gemäuers bilden einen finsteren Kontrast zur weißen Schneedecke.
Dein Schatten an der Steinwand spielt mit dem Feuer. Tanzend, elegant und ruhig erschafft er sein ganz eigenes Leben. Es knistert und erwärmt den Raum in ein tiefes Rot. Du berührst meine Haut und kühlst das Fieber auf meiner Stirn und es wird kalt. Ich sehe deinen Glanz und entgleite mir erneut;
Ich fliege wieder über die Ebenen und Lande im Schnee auf der Zinne der Burg. Es ist deine, du wohnst dort schon immer seit du ein Kind gewesen bist und auch heute kommst du zurück um dich von ihrem Anblick erneut zu überzeugen.
"Wir sind bald Freunde auf ewig.", sagst du leise. Mein Herz wird ganz weit, unendlich weit und füllt sich nur mit dir. Ich beobachte deinen Schatten und falle in einen tiefen Schlaf.
Wie sehr du vermisst wurdest. Nun endet unsere Einsamkeit für immer.
inner.circle - 24. Feb, 00:52
Das leise Tappen der Fingerkuppen am Fenster. Es ist drei Uhr früh. Die Dunkelheit und Wärme umgibt mich, doch das Tappen von außen lässt mich erwachen. Es ist rhythmisch verspielt. Es ist sie. Sitzend auf meiner Fensterbank. Ich blicke auf, vom Bett aus erkenne ich nur eine schwarze Umrandung ihres Kopfes und ein Glimmen dort, wo ihre Augen sind. Sie sehen traurig aus. Es tappt weiter an der Scheibe bis ich mich rege. Sanft neigt sie ihren Kopf zur Seite, als ich mich aufsetze. Ihr ist niemals kalt. Ich tappe auch, noch im Halbschlaf, an das Fenster. "Mach auf", sagt sie in einer leisen Stimme.
Sie sitzt auf meinem Bett. Ich betrachte ihre Schönheit, während das Eis von ihr abtropft.
Ihre nassen Haare streifen mir durch das Gesicht, als sie sich über mich beugt. Ich rieche ihr aufreizendes Wesen und schließe die Augen. Eine Kälte umkommt mich, als ihre Zähne ihren Weg in mich hinein finden.
"Bald sind wir auf ewig zusammen.", säuselt es tropfend in mein Ohr. Ihr nasses Haar streift mir das Fieber von der Stirn. Fieberrausch.
inner.circle - 21. Feb, 16:44
Das schönste ist dieses offene Fenster. Durch die Nacht zieht ein kühler Wind, der den märchenhaften Duft der benachbarten Kamine in mein Zimmer trägt. Ein Glockenspiel durchhallt wie Bronze warm die Luft. Meine Augen sind geschlossen und meine Nasenspitze wird ganz kühl. Ich denke an die Unendliche Geschichte und an Atreju. Plötzlich, aus allen Wolken, fühle ich mich so heimisch, so menschlich und in freudiger Erwartung auf das Fest. Damals hatte es für mich etwas unheimliches an sich; lange Schatten im Kerzenlicht des geschmückten Baumes, nächtliche Raubzüge im Schlafanzug. Freude, die aus der Gurgel hinaus in die Welt zu springen scheint. Das kindlich-naive Warten.
Dies ist nun nicht mehr, doch der liebliche Geruch von Pfefferkuchen erfrischt meine kalte Seele. Wehmut schimmert rötlich in meinem Weinglas, Wehmut nach einer mythischen Zeit. Hier bin ich heimisch. Und hier ging ich mit dir durch den Schnee, und wie er knirschte, weißt du nicht mehr? Wir tranken in einem netten Bistro zur Weihnachtszeit, der Geruch von Zimt umgab uns und ich brachte dich zu dir und umarmte dich: Auf Wiedersehen! - Doch es kam nie. Der Schatten zweier Menschen in dem Licht der alten Laternen, als wir eingehakt die alte Straße hinunter gingen. Ein kühles Mondlicht, dessen Ruhe keinem anderen Licht innewohnt, umhüllte deine schwarzen Augen und ließ mich die Jugend spüren.
Wenn du nur zurück kommst. Ach, wie wünsche ich es mir zurück. Die Magie und die Sterne, den Kaminrauch und die Nacht im Schnee mit dir.
Allerdings bist du nicht da.
Ich ziehe mich bis auf die Unterwäsche aus und setze mich in den Schnee. Es ist dunkel und schwarz, doch er rieselt sanft an der kalten Straßenlaterne hinab. Ich sehe dabei zu. Um mich herum ist nur Stille, eine unüberwindbare Stille und mein Körper wird langsam blau. Ich blinzel nicht und spüre, wie meine Augen gefrieren und in die Finsternis starren. Eine sterile, saubere Kälte trennt mich vom der brodelnden Hitze des Lebens. Meine Gedanken werden schwerer, langsamer, lethargisch schleppen sie sich durch mich hindurch. Auf meinen offenen Augen landet der Schnee und schmilzt in mich hinein. Ein Wunschtraum. Er führt mich dahin, wo ich hingehöre.
inner.circle - 20. Feb, 21:59